Schulprofil

Das Schulprofil einer Schule ist individuell. Jede Schule unterscheidet sich von anderen durch ihre pädagogischen Schwerpunkte, ihr Konzept, ihren Angeboten und weiteren Besonderheiten. Die Freiherr-vom-Stein-Schule hat sich schon in den 70er Jahren auf den Weg gemacht, ihre Schülerinnen und Schüler bestmöglichst zu fördern und sie „dort abzuholen, wo sie stehen“. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde viel verändert. Angefangen von den Räumen bis hin zum Unterricht.

Im Folgenden erhalten Sie einen Einblick in unsere aktuellsten pädagogischen Projekte.

FLEX – der Flexible Schulanfang

Wenn Kinder in Deutschland in die Schule kommen, bringen sie unterschiedliche Voraussetzungen mit. Man spricht hier von einem Entwicklungsunterschied von bis zu vier Jahren. Ein Kind ist zwar sechs Jahre alt, kann sich aber auf dem Entwicklungsstand eines 5-jährigen befinden oder bereits auf dem Entwicklungsstand eines 7 ½ –jährigen.

Einige Kinder kommen in die Schule und haben keinerlei Vorstellung von Schrift und Buchstaben, einige haben bereits Buchstabenkenntnisse. Da stellt sich die Frage:

Sollen alle Kinder gleich unterrichtet werden?

Soll ein Kind, das bereits lesen kann, über einen langen Zeitraum alle 14 Tage einen neuen Buchstaben kennenlernen? Diese Unterforderung macht Schule zum langweiligsten Ort der Welt. Kinder wollen Neues lernen. Was ein Kind bereits kann, muss und will es nicht noch einmal lernen – wozu auch?

Für andere 7 ½ -jährige Kinder ist der zweiwöchige Turnus zu schnell. Sie brauchen vielfältige Übungen, müssen vielleicht auch noch die deutsche Sprache lernen. Welch eine Überforderung!

Um die Schüler und Schülerinnen in bestmöglichster Weise zu fördern und zu unterstützen ist es wichtig, das Kind als eigenständige Persönlichkeit zu sehen. Es soll da weiter lernen, wo es gerade steht, es darf kein Kind verloren gehen. Das Interesse am Lernen soll lebenslang erhalten bleiben.

Deshalb haben wir uns für den Flexiblen Schulanfang entschieden, damit jedes Kind eine bessere Lebensbildung und bestmöglichste Lebenskompetenzen erwerben kann.

Konkret bedeutet dies:

  • Alle Kinder, die das 6. Lebensjahr vollendet haben, werden ohne Feststellung der Schulfähigkeit und einer damit einhergehenden Zurückstellung aufgenommen.
  • Die Jahrgangsstufen 1 und 2 bilden eine unterrichtsorganisatorische und curriculare Einheit. Die Sozialpädagogin und die Sprachheillehrerin unterstützen die Kinder und Lehrer bei notwendigen Förderungsmaßnahmen und Unterrichtsvorhaben.
  • Die Kinder der jahrgangsgemischten Lerngruppen bleiben in der Regel zwei Jahre in einem Verband, bei individuellen Voraussetzungen kann ein Kind bereits nach einem Jahr in ein 3. Schuljahr versetzt werden. In besonders begründeten Fällen kann ein Kind auch ein Jahr länger in der Lerngruppe verweilen.
  • Möglich ist es, dass jeweils zum Halbjahr eines Schuljahres Kinder neu eingeschult werden können. Über diese Möglichkeit wird noch entschieden werden.

Inklusion – Vielfalt zulassen!

„Die Behindertenrechtskonvention der Europäischen Union regelt in § 24 eindeutig, dass alle behinderten Kinder das Recht haben, die Schule zu besuchen, die ihre nicht behinderten Geschwister, Nachbarkinder oder Freunde und Freundinnen auch besuchen. Das bedeutet die volle Teilhabe am Regelschulsystem.  Alle Bundesländer haben dieser gesetzlichen Möglichkeit zugestimmt.

Jedoch geschieht die Umsetzung noch zögerlich bis gar nicht. Die personellen, sächlichen und räumlichen Ressourcen werden noch nicht zur Verfügung gestellt.

Das Besondere an Inklusion ist, dass man heute die Prämisse setzt: Es gibt keine zwei Arten von Menschen, behindert und nicht behindert, die wir in irgendeiner Weise zueinander bringen müssen. Im Mittelpunkt steht die Vorstellung von der Vielfalt. Menschen sind unterschiedlich in vielerlei Hinsicht. Geschlecht, Alter, kultureller Hintergrund, usw.

Was für mich zählt ist, dass wir mit Inklusion etwas befördern, das unserem Bildungssystem insgesamt gut tun würde. Stärker individualisieren, den Blick auf das einzelne Kind richten, durchaus auch mit dem altmodischen Wort der Fürsorge verbunden, Verantwortung für das Kind übernehmen. Davon profitieren alle Kinder.“

Professor Dr. Dieter Katzenbach. Professor für Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität zu Frankfurt am Main.